Empathie-Zirkel-Training in der Schwetzinger Zeitung


OFTERSHEIM
KURPFALZHALLE TSV BIETET ZUSAMMEN MIT INA RODEWALD EMPATHIE-WORKSHOP FÜR ELTERN UND KINDER
Zusammenprall von Gefühlen
25. Oktober 2017
Dennis, Jendrik, Sabine, Udo, Emma, Elisabeth, Andrea und Lilli (v. l.) tragen beim Empathietraining auf der Matte Leonie.© Lenhardt

OFTERSHEIM.Lautes Gelächter dringt aus der Kurpfalzhalle. Trennwände markieren die unterschiedlichen Stationen, denn einige sind mit Ausgelassenheit und Lärm verbunden, bei anderen ist die Stille und Konzentration wichtig. “Insgesamt spielen Spiel und Spaß hier aber eine große Rolle, denn nur was man mit Spaß erlernt, bleibt auch wirklich im Gedächtnis”, ist sich die Kommunikationstrainerin und Veranstalterin Ina Rodewald sicher.
Gemeinsam mit Elisabeth Groß, Abteilungsleiterin für Turnen, Freizeit- und Gesundheitssport beim TSV, plante sie den ersten Empathie-Workshop für Eltern und Kinder. Die Idee entstand vor einigen Monaten, nach dem Elisabeth Groß Ina Rodewalds Buch “Mut ist keine Zauberei!” gelesen hatte und sofort davon begeistert war.

Das für Jugendliche geeignete Buch thematisiert die gewaltfreie Kommunikation und die besondere Fähigkeit, zu spüren was das Gegenüber fühlt. Die Schwierigkeit liegt in der Empathie, die man dem Gegenüber entgegenbringt. Besonders in der Phase der Pubertät sei dies oft eine Barriere zwischen Eltern und Kindern, so Rodewald.

Mit allen Sinnen begreifen
In dem speziellen Zirkel-Parcours gibt es Stationen, an denen Vertrauen aufgebaut wird, Empathie trainiert wird und die Verbindung innerhalb der Familie gestärkt wird. Ehrenamtliche Helfer unterstützen Rodewald und Groß – darunter sind drei weitere Trainer der gewaltfreien Kommunikation und vier Turntrainer.
In einem ruhigen Raum der Kurpfalzhalle ist zunächst die Station fürs Herz: Verschiedene Bedürfnis-Kärtchen liegen verteilt auf dem Boden, dabei soll zunächst das Kind, dann ein Elternteil eines nehmen, um es sich dann gegenseitig zu erklären, wie das jeweilige Bedürfnis verstanden wird.
“Dabei sollen vor allem die Eltern lernen, aktiv zuzuhören ohne zu verurteilen”, erklärt Rodewald. “Beide Seiten sollen ehrlich sein und so wird man auf positive und konstruktive Weise mit Vorwürfen konfrontiert, an denen man arbeiten kann.”
An einer anderen Station geht es um den Umgang mit den Gefühlen anderer. Zwei Gruppen bekommen gegenteilige Gefühlskarten und müssen sich dementsprechend verhalten. “Ich hatte ein negatives, trauriges Gefühl, wurde aber fröhlich, weil ich die andere Gruppe ständig habe lachen sehen”, berichtet Teilnehmerin Xenia. Für selbstsichere Typen wie Teilnehmer Igor war es schwierig, sich unsicher zu verhalten. “Der Zusammenprall von zwei Gefühlen ist besonders in Familien keine Seltenheit”, weiß Rodewald. “Wir müssen lernen, dass wir nicht nur für unsere eigenen Gefühle verantwortlich sind, sondern auch ein Stück weit für die der anderen.”
“Nächstes Mal wollen wir die 100”
Der Spaß kommt nicht zu kurz, besonders die jüngeren Teilnehmer amüsierten sich prächtig beim gegenseitigen “Verkloppen” in der Turnhalle mit Rohrisolationen aus Schaumstoff. Dabei sollen Aggressionen auf angenehme Art und Weise abgebaut werden.
Ina Rodewald ist stolz auf die immerhin 30 Anmeldungen. Als selbstständige Kommunikationstrainerin bietet sie in Mannheim auch andere Arten von Workshops an, für Familien oder Paare, zur Einführung oder als Fortgeschrittene. Und einen besonderen Wunsch hat sie ebenfalls: “Empathie soll als Schulfach eingeführt werden, das wäre mein größter Traum.”
© Schwetzinger Zeitung, Mittwoch, 25.10.2017